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28.09.2020
Krankenhausstruktur - Einigkeit in den Zielen, Diskussionen um die Wege

Erhalt beider Kreiskliniken, Erhalt in kommunaler Trägerschaft und bestmögliche medizinische Versorgung der Bevölkerung. Dies sind und waren die Zielvorgaben des Landrats und der Fraktion der FREIEN WÄHLER im Kreistag.
Aus jeder Pressemitteilung der jüngsten Vergangenheit war zu lesen, dass diese Zielvorstellungen auch deckungsgleich mit den Vorstellungen nahezu aller Vertreterinnen und Vertreter der im Kreistag vertretenen Gruppierungen sind. Für Fraktionsvorsitzenden Bernd Nicklaser ist klar, dass angesichts der defizitären Entwicklung im Jahr 2019 diese Ziele nur durch strukturelle Änderungen und Eingriffe zu erreichen sein werden.
Bereits der Pressemitteilung der Stadtratsfraktion der FREIEN WÄHLER Wertingen vom August diesen Jahres war zu entnehmen, dass neben einer Weiterentwicklung des Krankenhauses Wertingen flankierende Maßnahmen notwendig seien, wie z. B. der Neubau einer Kranken- und Pflegeschule, eines Pflegeheims und eines Medizinzentrums, verbunden mit dem Abriss des alten „Schwesternwohnheims“. Landrat Leo Schrell sieht in der Errichtung einer neuen Krankenpflegeschule neben der Sicherung des Krankenhausstandort Wertingen auch einen Weg zur Fachkräftesicherung vor Ort.
Angesichts der demografischen Entwicklung wären auch die Errichtung einer Geriatrie im oder am Krankenhaus Wertingen und der Neubau eines Pflegeheims durch die Stadt Wertingen zur bestmöglichen Versorgung der Menschen sinnvolle Ergänzungen des medizinischen Angebots auf dem Wertinger Krankenhausgelände. Weitgehend Konsens der beteiligten politischen Gruppierungen besteht auch darin, dass auch die Vernetzung mit einem Ärztehaus der Stärkung des Wertinger Krankenhauses dienen könne – unabhängig davon, ob dieses jetzt als „Medizincampus“ oder „Medizinzentrum“ oder schlicht als „Ärztehaus“ bezeichnet wird.
Unterschiedliche Meinungen gibt es jedoch über den Weg, auf dem diese Zielvorstellungen, insbesondere im Hinblick auf das „Ärztehaus“ angegangen und bestmöglich erreicht werden sollen und können. Verständlich ist das Bemühen, soweit möglich „Herr im eigenen Haus“ zu bleiben und bauliche Investitionen auf dem Krankenhausareal über Landkreis oder Kommunalunternehmen des Landkreises umzusetzen. Dass dies über den Haushalt des Landkreises schon angesichts der auf den Weg gebrachten Investitionen in Bildungseinrichtungen in den Folgejahren nicht möglich sein wird, ist evident.
Ob und inwieweit das Kommunalunternehmen des Landkreises personell und fachlich in der Lage sein wird, Investitionen in zweistelliger Millionenhöhe umzusetzen und zu finanzieren, bleibt der vom Landrat bereits zugesagten Prüfung vorbehalten. Bestandteil dieser Prüfung muss ebenfalls sein offenzulegen, welche Belastungen, Bürgschaften etc. für das Kommunalunternehmen in diesem Fall der Landkreis selbst zu übernehmen hätte.
Dem gegenüber steht das Modell der Investition durch einen privaten Unternehmer ohne finanzielleBelastung von Landkreis oder Kommunalunternehmen, dessen konkrete Ausgestaltung ebenso detailliert – auch im Hinblick auf die Gewährleistung des künftigen Krankenhausbetriebs - zu prüfen sein wird. Auch insoweit werden Aufsichtsrat der Krankenhaus gGmbH und letztendlich die Mitglieder des Kreistags Vor- und Nachteile abzuwägen haben ohne sich a priori irgendwelche Denkverbote aufzuerlegen.

Die Fraktion der FREIEN WÄHLER ist in der Zielvorgabe „Erhalt und Sicherung des Wertinger Krankenhauses“ klar positioniert, jedoch ergebnisoffen, welcher Weg zu diesem Ziel beschritten werden soll. Auf Grund des akuten Handlungsbedarfs begrüßen wir die vom Landrat zu diesem Thema angesetzte Klausurtagung des Kreistags, in der wir eine offene und ergebnisorientierte Diskussion erwarten.

Dillingen, den 28.09.2020
Bernd Nicklaser Vorsitzender Fraktion FREIE WÄHLER

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FREIE WÄHLER für Sicherung der ärztlichen Versorgung

„Wir werden auch künftig flächendeckend eine qualitativ hochwertige Krankenhausversorgung sicherstellen. Wir wollen unsere Krankenhausstrukturen erhalten und bedarfsgerecht weiterentwickeln.“ So steht es im Koalitionsvertrag für die Legislaturperiode 2018 – 2023 geschrieben und so lautet auch eine unverrückbare Forderung der FREIEN WÄHLER im Landkreis Dillingen a.d.Donau.

Das gemeinsame Ziel aller im Kreistag vertretenen Gruppierungen muss sein, so Wertingens Bürgermeister Willy Lehmeier, die wohnortnahe Krankenhausversorgung genau so wie eine wohnortnahe haus- und fachärztliche Versorgung auf Dauer sicher zu stellen. Alle Einrichtungen, die der Gesundheitsversorgung dienen, sind von elementarer Bedeutung für die Chancengleichheit und -gerechtigkeit zwischen Stadt und Land. Auch deshalb bekennen wir uns ausdrücklich zur kommunalen Trägerschaft unserer beiden Kliniken in Dillingen und Wertingen durch unseren Landkreis.

Dass die FREIEN WÄHLER alle Maßnahmen unterstützen, die helfen, die hohe Qualität der ärztlichen Versorgung in unserem gesamten Landkreis aufrecht zu erhalten, ist für Chefarzt Dr. Jürgen Beck ein Kernpunkt unseres Handelns. Strukturförderprogramme der Staatsregierung, wie z. B. die Förderung von Geburtshilfeabteilungen und Hebammen, hält Oberarzt Dr. Friedrich Brändle zur Erreichung dieses Ziels für eben so wichtig, wie alle aus dem Landkreis selbst kommenden Initiativen: „Es geht um die Vorhaltung einer wohnortnahen stationären und ambulanten Basisversorgung in guter Zusammenarbeit mit spezialisierten Kliniken für besondere Krankheitsbilder“. Beispielhaft seien genannt die Kooperation des Dillinger Krankenhauses St. Elisabeth als akademisches Lehrkrankenhaus mit der Technischen Universität München und die AKADemie Dillingen, beides mit dem Ziel, junge Ärztinnen und Ärzte auf Dauer in unseren Landkreis zu holen.

Von gleicher gesellschaftlicher Bedeutung wie die medizinische Akutversorgung, sind für uns als zwingende Folgeerscheinung der demografischen Entwicklung eine ständige bedarfsgerechte Optimierung der seniorengerechten Wohn- und Pflegeplätze. Dabei gilt für uns als Richtschnur das „Seniorenpolitische Gesamtkonzept“ des Landkreises, in dem die ambulante Betreuung in den eigenen vier Wänden – flankiert auch von ehrenamtlichen Organisationen – oberste Priorität genießt. Zur Unterstützung der pflegenden Angehörigen sieht Aufsichtsratsmitglied Michael Holzinger einen dringenden Bedarf an weiteren Kurzzeitpflegeplätzen und die Notwendigkeit heimatnah deutlich mehr Pflegeplätze zu schaffen, wenn und soweit eine ambulante Pflege nicht mehr ausreichend sein sollte.

20.02.2020